Servas Women: UN-Frauenkonferenz 15.3. bis 26.3.21

Helga Merkelbach, Servas-Mitglied aus Bremen, nimmt vom 15.3. bis 26.3.21 an der Frauenkonferenz der Vereinten Nationen (CSW65) in New York teil. Die Konferenz hat einen offiziellen Teil, wo sich Vertreter*innen aus den UN-Nationen treffen und am Ende eine Schluss-Erklärung abgeben. An der hat die Zivilgesellschaft, auch SERVAS, im Vorfeld mitgearbeitet und v.a. darauf geachtet, dass es, angesichts der Verschlechterungen für Frauen und Mädchen durch die Pandemie, um just recovery und justice for all geht. Die offizielle Konferenz kann jede/r auf UNwebtv verfolgen.

Hier geht es zu einem link über den Peace Train nach Peking zur 4. UN Frauenkonferenz (56 Min. Film): Peace Train
Ein historisches, sehenswertes Dokument, dass unter die Haut gehen kann. Nicht nur für Frauen!

Die zweite Ebene der Veranstaltungen ist die, wo UN-Unterorganisationen und staatliche Vertretungen, oft in Kooperation mit Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) events (etwa’120) anbieten, die sogenannten side events. An diesen Veranstaltungen können SERVAS-Repräsentant*innen teilnehmen, da wir angemeldet sind. Manchmal kommen sie auch auf UNwebtv. Häufig werden sie aufgezeichnet und sind hinterher im Internet zu sehen, meist auf youtube.

Die dritte Ebene ist die der NGOs, genannt parallel events. Im Programm stehen etwa 700 solcher Veranstaltungen; sie sind die interessantesten, weil hier aus aller Welt von Frauen vor Ort berichtet wird, wie es Frauen vor Ort geht und wie aktiv sie dort sind. Für diese parallel events konnte sich jede/r weltweit registrieren. Nun sind es 25 000 und die Kapazitätsgrenze ist erreicht. Aber auch diese events werden häufig aufgezeichnet und sind im Netz zu finden.

Helga Merkelbach möchte gerne teilen, was sie auf dieser eindrucksvollen Konferenz erlebt. Daher bittet sie darum, dass Interessierte sich bei ihr melden. Nicht nur wegen der Covid-Regeln wird es dazu kein live Treffen geben, sondern auch weil die gesamte UN-Konferenz mit all ihren Nebenveranstaltungen im virtuellen Raum stattfindet.

Das ist eine ganz besondere Erfahrung und öffnet neue Möglichkeiten, auch für unsere SERVAS-Welt. Seit Wochen treffen sich die SERVAS-Delegierten über eine SERVAS-Plattform, per mails, per WhatsApp Nachrichten, per Anruf und in mehreren Zoom-Meetings und sind sich (auch persönlich) darüber nähergekommen.

Helga Merkelbach bittet Interessierte, die während und / oder nach der UN-Frauenkonferenz darüber erfahren möchten um eine mail an folgende Adresse: UNO2021@servas.de

Interviewpraxis in anderen Servasländern

Ich habe auf der letzten internationalen Servas-Arbeitskonferenz im Oktober 2018 an einem Workshop über Interviews teilgenommen und habe euch die Ergebnisse, vor allem diejenigen, die von der Praxis in Deutschland abweichen zusammengefasst.

Diese Infos sind nicht nur interessant für die Interviewer in Deutschland, sondern auch für Gastgeber und Reisende, weil man so manchmal besser versteht, wie sehr sich die Servasländer und die Praxis ihrer Interviews unterscheiden. Daraus lassen sich gelegentlich Missverständnisse, die auftreten können, besser verstehen.

Brasilien:
Das Interview heißt nicht Interview, sondern Einführungsgespräch.
Es wird Hintergrundmaterial an Interessenten versandt, das gelesen werden soll. Wenn die neuen Reisenden das Hintergrundmaterial nicht  gelesen haben, werden sie nicht zum Einführungsgespräch eingeladen. Wie das im Vorfeld überprüft wird, wurde nicht benannt.
Die neuen Reisenden/Mitglieder sollen sich Fragen notieren, bevor sie zum Einführungsgespräch kommen. Interviewer werden geschult.

Canada:
Es gibt eine Landkarte, auf der die Interviewer verzeichnet sind und der Neuinteressent sucht sich einen der 25 Interviewer aus. SOL ist eine besondere Herausforderung für die Interviewer, die sich mit SOL bisher nicht vertraut gemacht haben.

Frankreich:
Koordinator gibt fünf Interviewer in der Region zur Auswahl und schickt vorab Material zu Servas als Einstieg. Viele Interessenten antworten nicht. Die Interviewer bitten die Interessenten einen Computer mitzubringen, um gemeinsam das Profil in SOL anzulegen. Servas Frankreich verfügt über ein Servas Handbuch, das auch SOL berücksichtigt. Sie führen ebenfalls Interview-Trainings auf den Servas-Jahrestagungen durch.

Neuseeland:
Es gibt einen Extra-Koordinator, der nur die Neuanfragen annimmt. Die Interviews werden regional durchgeführt wie in Deutschland. Es werden Auffrischungsinterviews fünf Jahre nach dem ersten LoI durchgeführt.

Schweiz:
Sendet Material über Servas im Vorfeld und gibt eine Liste von zehn erfahrenen Interviewer bekannt, aus der sich der Interessent einen Interviewer aussuchen kann. Servas Schweiz wünscht sich einen Interviewer für jüngere Mitglieder (eine Art Jugend-Interviewer).

USA:
Auf der Rückseite des LoI gibt es Infos zu erwünschten Servas-Verhalten.

Conni Geisendorf, Vorsitzende Servas Germany

Bericht „Servas-Reisen“ zu verlorenen Nachbarn: Bewegende Veranstaltung: 13.4.19 in Hamburg

Am 12. und 13. April 2019 hat Lorenz Glatz, Servas-Mitglied aus Österreich, an zwei Orten in Hamburg über seine Reisen zu verlorenen Nachbarn gesprochen. Es geht dabei um die verlorenen jüdischen Nachbarn aus seinem Heimatort, einem kleinen Dorf im ländlichen Österreich. Durch einen Zufall stieß er bei einem USA-Besuch im Holocaust-Museum auf den Namen einer Nachbarin. Er begann nachzuforschen, was aus der Familie geworden ist. Dies führte zu weiteren ehemaligen jüdischen Nachbarn seines Dorfes.
Ohne Hedwig, Lorenz‘ Frau, so seine Worte, wäre weder ein Buch noch die Präsentation, die er in Hamburg vorstellte, zustande gekommen.
Hedwig begleitete Lorenz auf seinen Servasreisen zu Gastgebern nach Israel und in die USA. Er sprach mit den letzten jüdischen Überlebenden seines Ortes und deren Nachkommen. Die Art und Weise, wie er von der strukturellen Vertreibung der jüdischen Nachbarn anhand der individuellen Familienschicksale berichtet, ging unter die Haut als wäre man dabei gewesen.


Er wohnte während seiner Reisen bei Servas-Mitgliedern und kam dort natürlich auch über den Anlass seiner Reise ins Gespräch. Das alles wäre bei einem Hotelaufenthalt in dieser Form nicht möglich. „Bericht „Servas-Reisen“ zu verlorenen Nachbarn: Bewegende Veranstaltung: 13.4.19 in Hamburg“ weiterlesen