Als Gastdozentin an einer Frauenuniversität in Indien

… und was sich aus einem Servas-Kontakt entwickeln kann

Ich bin Diplom Ingenieurin der Landschaftsplanung und arbeite freiberuflich als Referentin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit. Für meinen Beruf muss ich regelmäßig in Schwellen- und Entwicklungsländer reisen, um neue Informationen und Einblicke aus den Ländern mitzubringen. Diese Eindrücke bereite ich auf und konzipiere daraus Unterrichtseinheiten für Schulen, Workshops für Studierende, Kochkurse u.v.m.

Sigrid und Hamsa auf einer Hochzeit in Indien

Im November – Dezember 2017 arbeitete ich drei Wochen als Gastdozentin an der Frauenuniversität Banasthali Vidyapith in Rajasthan / Indien. Banasthali Vidyapith ist eine Volluniversität mit 12000 Studentinnen. Sie liegt 70 km südlich der Hauptstadt Jaipur.

Ich habe Studentinnen in drei Leistungsstufen unterrichtet, die neben ihrem Hauptstudium Deutsch lernen möchten. Dabei lag mein Schwerpunkt als Muttersprachlerin auf Konversation und deutscher Landeskunde.

Die Wochen mit den Studentinnen haben mir sehr viel Spaß gemacht, denn die Frauen sind hoch motiviert Deutsch zu lernen und sehr an Deutschland interessiert. Vier der Studentinnen dürfen 2018 mit einem Stipendium an der Pädagogischen Hochschule Weingarten studieren, mit der das Departement für Deutsche Sprache in Banasthali schon viele Jahre kooperiert.

Die Wochen in Banasthali haben mir, neben meiner Lehrtätigkeit, die Möglichkeit gegeben Einblicke in den Alltag einer indischen Universität zu bekommen, denn einige der Departements haben ihre Türen für mich geöffnet.

Gelebt habe ich bei der Leiterin des Departement für Deutsche Sprache Prof. Dr. Hamsavahini (Hamsa) Singh, mit der ich seit einigen Jahren befreundet bin. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie mich in ihr Haus aufgenommen hat! Normalerweise werden Gastdozenten im Gästehaus der Universität untergebracht.

Wir haben zusammen gekocht, unsere Erfahrungen als Lehrende ausgetauscht und hatten eine schöne und interessante Zeit zusammen.

Aber was hat das alles mit Servas zu tun?

Ohne Servas hätte ich sicher nicht in Banasthali gearbeitet, denn meine Freundin Hamsa habe ich durch Servas kennen gelernt und das kam so:

Hamsa hat 1999 mit Ehemann Rajpal und 8jähriger Tochter Adu eine Reise mit dem Fahrrad und Servas um die Welt gemacht. Mutter und Tochter beendeten die Reise nach einem Jahr, da das Kind nicht länger von der Schule beurlaubt werden konnte. Die zweite Hälfte der Weltumrundung nahm Rajpal alleine in Angriff und dabei war er mit Servas bei uns zu Gast. In den folgenden Jahren haben wir uns leider aus den Augen verloren.

Als mein Mann und ich 2012 Rajasthan besuche wollten, erinnerten wir uns an den Fahrradfahrer aus Indien, nur hatten wir keine aktuelle Kontaktadresse. Aber wir wussten noch, dass er uns von seiner Frau Hamsa erzählte, die Professorin für Deutsch an einer Frauenuni ist. Und richtig, in der Servas-Gastgeberliste von Indien wurden wir fündig.

Wir nahmen Kontakt auf und Rajpal erinnerte sich auch noch an seinen Besuch bei uns in Göttingen. Wir verabredeten uns in Banasthali und besuchte die Familie dort für drei Tage.

Hamsa und ich freundeten uns sofort an und in den kommenden Jahren besuchte sie uns immer wieder in Göttingen. Dabei wurde die Idee geboren, ich könnte einige Zeit als Gastdozentin in Banasthali deutsch lehren.

Durch Servas bekam ich diese Chance und ich kann allen nur raten, pflegt Eure Servaskontakte, wer weiß was sich daraus entwickeln kann.

 

Meine Freundin Hamsa ist übrigens der newsletter editor von Servas
Indien!         http://servasindia.org.in/about-us2.html

Sigrid Pessel, Dezember 2017