Bericht einer Iran-Reise im Oktober 2019

Martin und Ulrike berichten vom spannenden Iran

Im Oktober reisten wir drei Wochen durch den Iran. Man könnte sagen, die übliche Touristenroute (Teheran, Kashan, Isfahan, Yazd und Shiraz) mit Abstechern in interessante Dörfer und Gegenden entlang dieser Strecke. Mehr ist in drei Wochen nicht zu machen, wenn man sich auch Zeit nimmt für die Menschen und die Städte.

Im Vorfeld hatten wir nach der Servasliste Iran 2017 alle 21 Mitglieder angeschrieben, etwa von der Hälfte eine Antwort bekommen und uns schließlich für zwei Personen entschieden, die auf unserer Route lagen. Tatsächlich gibt es im Iran eine steigende Anzahl von 80 Mitgliedern, die meisten davon bei Servas-Online. Man muss wissen, dass das Beherbergen von Ausländern in der Wohnung offiziell verboten ist, aber es wird praktiziert. Couchsurfing ist ebenfalls sehr beliebt.

  In Teheran verbrachten

wir einen Tag mit Neda und Ismael, beide neu bei Servas.

Neda, eine moderne junge Frau, die ihr Kopftuch möglichst weit nach hinten schob und bei jeder sich bietenden Gelegenheit ablegte. Wir konnten viele junge Iranerinnen beobachten, die es ihr gleich taten. Auch Berührungen in der Öffentlichkeit zwischen Männern und Frauen, die eigentlich verboten sind, konnten wir sehen. Neda und Ismael erwiesen sich als kundige Reiseführer in der Stadt und fuhren uns mit einem Auto zum Azadi-Denkmal und dem Milat-Tower und schließlich in ein besonderes Restaurant am Fuße des Elburs-Gebirges. Am nächsten Morgen besuchte Neda mit uns einen Gottesdienst in der Evang. Gemeinde deutscher Sprache. Auch eine interessante Erfahrung. Aber muslimische Gäste dürfen nur 1-2 mal den Gottesdienst besuchen, sonst könnte die Gemeinde und die Muslimin Schwierigkeiten bekommen, denn manchmal wird der Gottesdienstbesuch von Polizisten beobachtet. Den Moslems im Iran geht es nicht anders als den Christen in Europa. Die Jugend hat kein Interesse an Religion und der verpflichtende Moscheebesuch findet auch nicht mehr statt. Obwohl der Moscheebesuch also abnimmt baut der Staat überall auch neue großartige Moscheen.

Die Verkehrsverhältnisse in Teheran entsprechen denen einer modernen Großstadt, die Verkehrsregeln werden aber sehr großzügig ausgelegt und die Autos fahren anscheinend durchweg ohne Katalysator. Die Verpestung der Luft ist unbeschreiblich, der Lärm ebenso. Zum Glück gibt es die stillen Orte in jeder Stadt, die Parks mit ihren wunderbaren Gartenanlagen und Wasserbecken.

Besonders beeindruckt waren wir von den Wüstenstädten Kashan, Yazd, Na’in und Meybod mit ihren Lehmziegelbauten und den schmalen, z.T. überwölbten Gassen. Die Überraschung ist groß, wenn man durch eine Tür in der Lehmmauer geht und dahinter sich ein wunderbares Guesthouse verbirgt, das sich um den Innenhof gruppiert. Die Aussicht vom Flachdach über die Altstadt ist atemberaubend.

In Kashan trafen wir uns mit Shadi, die bei Servas als Dayhost gelistet ist. Allerdings sind sie und ihr Mann auch staatlich anerkannte Tourguides. In der Folge mieteten wir ihren Mann für drei Tage als Driver und Guide. Bei den Ausflüge in die Salzwüsten, die Dünen und Bergdörfer erwies er sich als sehr kompetent und hilfreich beim Buchen der nächsten Unterkünfte.

In Teheran gibt es ein modernes Metro-Netz, ansonsten kann man überall im Land kurze und auch weitere Strecken mit einem Taxi zurücklegen. Die Preise sind unterirdisch niedrig und „dank“ des Umtauschverhältnisses äußerst günstig wie auch jede Bus- oder Zugfahrt, jeder Restaurant- oder Museumsbesuch. Die benötigten Geldbündel, die man für einen Tag mit sich tragen muss, sind deshalb zentimeterstark.

Trotz aller Bedenken was die politische Lage und den oft schlechten Ruf des Landes betrifft, können wir sagen, dass wir uns immer sicher und ungefährdet fühlten. Polizei auf den Straßen und Plätzen sieht man weniger als in deutschen Städten. Gut, es gibt auch noch den Geheimdienst… .

Aber die schönsten Erfahrungen machten wir mit den herzlichen, hilfsbereiten Menschen. Immer wieder wurden wir angesprochen. Von Schülern, die vielleicht nur ihre Englischkenntnisse ausprobieren möchten, von Älteren die ein bisschen deutsch sprachen, und von den vielen, die sich wirklich für uns interessierten und auch von sich und ihrem Leben erzählten.

Den letzten Nachmittag und Abend vor unserem Rückflug nach Deutschland verbrachten wir wieder mit Neda in Teheran. Erfreulicherweise fand am Abend in einem Café ein informelles Servas-Treffen statt: Zehn Mitglieder aus Teheran, drei Deutsche und Joseph Lestang aus Frankreich, der für Servas-Online Zuständige.

Wie überall gibt es niemand, der einen Posten bei Servas übernehmen will und es wurde dringend darum gebeten, bei Anfragen doch zumindest eine Antwort, auch wenn es eine Absage ist, zu senden. Das wäre doch eine Frage der Höflichkeit.

Wir können allen Individualreisenden den Iran sehr empfehlen. Die Servas-Mitglieder warten darauf.

Martin Hartmann und Ulrike Höhmann