Familien-Rundreise in Kanada Juli 2019

In diesem Sommer erfüllten wir uns einen vielwöchigen Traum: eine Rundreise in Kanadas Westen.

Wir, das sind eine fünfköpfige Familie mit uns Eltern und drei Kindern (15,13 und 11J.). Zugegeben keine leichte Aufgabe, einen Servas-Host zu finden. Wir sind mit einer einfachen Möglichkeit zufrieden, unsere Luftmatratzen auszubreiten, doch die Anzahl unserer Köpfe scheint für viele abschreckend. Dass viele Mitglieder „families welcome“ angeben, scheint sich nur auf Kleinstfamilien zu beziehen.

So begann also die zermürbende Suche über die Servas Hostliste. Doch bereits nach kurzer Zeit ist diese doch sehr altmodische Variante zu zeitaufwendig und wir starteten den Versuch über Servas.org.

Hier stießen wir auf die nächsten Schwierigkeiten: gefühlt fast alle Mitglieder in British-Columbia hatten Vancouver als nächstgrößte Stadt angegeben und wurden dort angezeigt, statt an der eigentlichen Adresse. So heißt es, falls vorhanden, die Adresse mit google abzugleichen, um herauszubekommen, wo die potentiellen Gastgeber wohnen. Viele Mitglieder hatten zudem ein Methusalem-Alter (geboren 1900…). Leider ließ sich die Liste nicht filtern (oder wir haben es nicht gefunden), wann die Mitglieder letztmals aktiv waren. Nur eine Dame hat einen aktuellen LOI im Netz.

So schrieben wir z.B. für Vancouver 12 Gastgeber mit persönlichen E-Mails an, von denen nach zweimaligem Nachfragen drei gar nicht reagieren, acht ablehnen und eine Dame sich schließlich trotz Renovierungsarbeiten im Haus bereit erklärte, uns aufzunehmen. Zudem bot die Koordinatorin einer Region noch einen Aufenthalt in ihrem Haus vor den Toren der Großstadt an.

Für die gesamte vierwöchige Reise zu fünft hatten wir am Ende ca. 8 Übernachtungen in Hostels, zehn Nächte im Zelt, fünf bei Couchsurfern und fünf bei Servas-Hosts gebucht.

Zunächst war unser 15-jähriger Sohn zu einer befreundeten Familie nach Vancouver Island eingeladen und besuchte mit deren Sohn die Schule. Dann reiste ich ihm nach und wir verbrachten bis zum Beginn der deutschen Sommerferien eine Mutter-Sohn-Woche im Süden der Insel. Am überraschendsten war Linda, die warmherzige Mitarbeiterin einer Touri-Information: als sie hörte, dass die Campgrounds komplett ausgebucht waren, bot sie Mutter und Sohn spontan für zwei Tage das leerstehende Zimmer ihres Sohnes an. Wir verstanden uns prächtig und kochten gemeinsam. Es wurde so nett, dass wir von Linda und ihrem Mann Sehenswürdigkeiten der Region von botanischem Garten bis Eisdiele gezeigt bekamen und bis heute in Kontakt stehen.

Unsere Reise führte durch die Naturschönheiten Vancouver-Islands, dann mit der Inland-Passage von Port Hardy nach Prince Rupert. Dort in der Nähe wohnten wir bei einer Couchsurfer-Familie indianischer Abstammung, die uns unglaubliche Eindrücke in die verschiedenen Ansichten von weißen und indigenen Menschen vermittelt. Wir werden auf private Bärensafari mitgenommen und verbringen unvergessliche Tage mit dieser netten Familie. 

Die weitere Route führt über die Rocky Mountains mit Jasper,  Mount Robson PP und Wells Grey Nationalpark in einen Vorort von Vancouver, wo uns ein sehr nettes Servas-Paar willkommen heißt.  In ihrem kleinen Häuschen hatten sie die obere Etage freigeräumt und ließen uns dort schlafen. Sie war französischer Abstammung und kam aus Quebec, er war leidenschaftlicher Ornithologe und hatte ein ungeheures Wissen über alles was im Backyard flatterte. Wir grillten, musizierten und wanderten zusammen und fühlten uns miteinander sehr wohl.

Die Abschlusstage unserer Traumzeit verbrachten wir in Vancouver. Auch hier hieß uns eine freundliche Familie außerhalb Downtowns willkommen. Die herrlich ruhige Wohngegend, gemeinsame Gespräche und das gemeinsame Kochen waren perfekt nach aufregenden Tagen in der Innenstadt. Als besonderes i-Tüpfelchen konnten wir uns sogar noch mit Maria treffen, die Dayhost war und in der Innenstadt in einem herrlichen glasverspiegelten Hochhaus wohnte. Ihre Wohnung von innen zu sehen und ihre Eindrücke vom Leben in Downtown rundeten unser Bild von Vancouver ab. 

Alles in allem haben wir eine interessante und vielfältige Zeit mit den verschiedensten Menschen verbracht. Die Kontakte ergaben sich über die kanadischen Gasteltern, deren Nachbarn und Lese-Club, einen Lehrer und die Couchsurfer- und Servas-Hosts. Desweiteren hatten wir viel Glück bei der Beobachtung wilder Tiere (Bären, Adler, Orcas, Elche, etc.) und genossen die Schönheit der Natur mit Regenwäldern, Meeresküsten, Seen und Bergen.

Fragt man, was uns am besten gefallen hat, sind es bei dieser Reise eindeutig die vielen privaten Kontakte. Die vielfältigen Erlebnisse und Gespräche mit Indigenen, Frankokanadiern und Kanadiern  europäischer Abstammung haben bei uns und unseren Kindern tiefe und langanhaltende Eindrücke hinterlassen.

Kanadier sind einfach locker und cool☺

(Manuela K.)

 

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  • 2 Bären queren eine Straße in Kanada
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