Bericht „Servas-Reisen“ zu verlorenen Nachbarn: Bewegende Veranstaltung: 13.4.19 in Hamburg

Am 12. und 13. April 2019 hat Lorenz Glatz, Servas-Mitglied aus Österreich, an zwei Orten in Hamburg über seine Reisen zu verlorenen Nachbarn gesprochen. Es geht dabei um die verlorenen jüdischen Nachbarn aus seinem Heimatort, einem kleinen Dorf im ländlichen Österreich. Durch einen Zufall stieß er bei einem USA-Besuch im Holocaust-Museum auf den Namen einer Nachbarin. Er begann nachzuforschen, was aus der Familie geworden ist. Dies führte zu weiteren ehemaligen jüdischen Nachbarn seines Dorfes.
Ohne Hedwig, Lorenz‘ Frau, so seine Worte, wäre weder ein Buch noch die Präsentation, die er in Hamburg vorstellte, zustande gekommen.
Hedwig begleitete Lorenz auf seinen Servasreisen zu Gastgebern nach Israel und in die USA. Er sprach mit den letzten jüdischen Überlebenden seines Ortes und deren Nachkommen. Die Art und Weise, wie er von der strukturellen Vertreibung der jüdischen Nachbarn anhand der individuellen Familienschicksale berichtet, ging unter die Haut als wäre man dabei gewesen.


Er wohnte während seiner Reisen bei Servas-Mitgliedern und kam dort natürlich auch über den Anlass seiner Reise ins Gespräch. Das alles wäre bei einem Hotelaufenthalt in dieser Form nicht möglich.

Die persönliche Begegnung durch Servas zeigt wie länderübergreifend am Thema Frieden, hier in Form von Erinnerungsarbeit, stattfinden kann.
Auch in Hamburg wohnten sie selbstverständlich bei Servas-Gastgebern. Vielen Dank Elke für die Rundum-Betreuung von Hedwig und Lorenz und die Organisation der Lesung im Cafe Chrysander.

In seinem Bericht wurden auch die Versuche ausreisewilliger Juden zur Zeit des Dritten Reiches per Schiff ab Wien über die Donau und das Schwarze Meer nach Palästina zu gelangen, beschrieben. Es handelte sich dabei um „Schiffstransporte“ in das seinerzeit unter britischem Mandat stehende Palästina. Die fliehenden Juden waren den Briten allerdings nicht willkommen. Die Parallelen zur aktuellen Situation im Mittelmeer sind unübersehbar.

Lorenz berichtete, dass von den vier überlebenden Frauen, die er zu Beginn seiner Reisen noch treffen konnte, nur noch zwei, die bereits über 90 Jahre alt sind, leben. Bald wird es keine Augenzeugen mehr geben. Im Zusammenhang mit den Treffen, entstand auch die Idee, diese Begebenheiten aufzuschreiben, damit sie nicht vergessen werden.

Nach der Veranstaltung ergab sich ein reger Austausch. Die Veranschaulichung durch die persönlichen Schicksale führte zu einer sehr plastischen Schilderung, die diese grausame Zeit wieder ins Bewusstsein rückte.