Bericht von der SICOGA 2018 in Seoul, Korea

SICOGA bedeutet „Servas International Conference and General Assembly„, besteht also aus der internationalen Konferenz sowie der Mitgliederversammlung und findet alle 3 Jahre statt. Es ist das internationale Arbeitstreffen von Servas International, bei dem jedes Land eine Stimme hat, unabhängig von der Anzahl seiner Servas-Mitglieder oder der Bevölkerung. In der Beziehung funktioniert Servas wie die UNO oder die EU, man muss sich – politisch klug – Unterstützung für seine Vorhaben suchen.

In diesem Jahr hat Servas Korea die 49 Delegierten und 121 BeobachterInnen der Länder in einem Jugendgästehaus in Seoul empfangen. Los ging es mit einer tollen Begrüßungszeremonie. Die Taekwondo-Show hat mich – als ehemalige Aktive – begeistert, der Sport entstand ja im letzten Jahrhundert in Korea. Aber es gab auch hervorragende Trommler, Tanz und ein Ein-Frau-Theater.

Am nächsten Morgen wurde die Konferenz eröffnet. In einem großen U saßen die 49 stimmberechtigten Delegierten, jeweils dahinter die Observer (BeobachterInnen). Das Konferenzprogramm ging von 8:30 Uhr bis 18:00 Uhr, danach trafen sich Arbeitsgruppen. Themen waren z.B. die Zukunft von Servas, ServasOnline, regionale Entwicklung, Jugendarbeit und alle Anträge, sogenannte ‚Motions’, die die Länder im Frühjahr eingereicht hatten, und die zum Teil heiß diskutiert wurden, insbesondere, wenn es um Budget/Geld ging. Wichtige Motions gingen um die weitere Finanzierung und Entwicklung von ServasOnline und um ein neues Gebührenmodell ’Simplify Servas‘.

Später abends stellten sich die Länder vor, z.B. mit kleinen Filmen oder Tanz- und Gesangsdarbietungen, Gangnam-Style, der koreanische Hit von 2012, riß alle mit. Morgens um 6 Uhr konnte man sich bereits mit Yoga einstimmen oder zum nahe gelegenen Fluß hinunterradeln, teils noch im Dunkeln.

Meine Hauptaufgabe war ServasOnline. Das ganze letzte Jahr hatten wir, die internationale ServasOnline-Gruppe, in GoogleGroups diskutiert und im Sommer mehrmals sonntagnachmittags per Skype telefoniert. In Seoul waren wir zu siebt aus vier Kontinenten und sechs Ländern und nutzten jede Möglichkeit, an ServasOnline weiterzuarbeiten. Bernhard aus Frankreich, der seit sechs Jahren der Projektmanager von ServasOnline war, hat sein Amt abgegeben. Seine Aufgaben sind in sieben Pakete geschnürt worden und diese Aufgaben mussten neu verteilt werden. Weiterhin waren Mitglieder zu schulen und Verbesserungsvorschläge aufzunehmen.

In der übrigen Zeit versuchte ich, Conni bei der Konferenz zu unterstützen, z.B. Argumente für unsere Anträge zu formulieren, Hintergrundmaterial wie Anhänge zu Anträgen auf dem Rechner für sie herauszusuchen, das zusammengebrochene WLAN wiederzufinden oder auch nur mal einen Tee zu holen. Denn während der Abstimmungen vom Platz wegzugehen, wäre sehr ungünstig. Man muss sich konzentrieren, den Fragen der anderen zuhören, die Anträge des eigenen Landes erklären und ggf. verteidigen oder selbst fragen, wenn man eine Sache nicht nachvollziehen kann.

Nach buchstäblichen drei Tagen ohne Tageslicht war ich ganz froh über den Tagesausflug Richtung Norden in die DMZ (demilitarisierte Zone). Servas bedeutet ja auch immer Toleranz üben, und so warteten wir geduldig eineinhalb Stunden, bevor alle, alphabetisch nach Ländern, in den richtigen Bussen saßen und durchgezählt waren. Warum die französische Frau des französischen Servas-Vorsitzenden im Bus mit den Ländern Schweden, Taiwan und USA sitzen sollte? Das bleibt das Geheimnis der koreanischen Organisatoren. Nach einer Fahrt durch schöne Landschaft, zu Aussichtspunkten auf Nordkorea, einer Wanderung in einen Infiltrationstunnel und dem Essen in einem Dorf, dessen Spezialität köstlichste Sojabohnengerichte sind, sind alle wohlbehalten zurückgekommen.

Nicht zuletzt wurde ein neuer Vorstand, das Servas International Exco oder SI EXCO gewählt, Informationen hierzu auf unser deutschen und der internationalen Website.

Das durchgehende Programm, kleine bis mittlere Organisationspannen, die Arbeitsgruppen, die Länderpräsentationen am Abend, die auch mal kontroversen Diskussionen, der Schlafmangel, die Begegnungen mit Leuten aus so vielen Ländern: eine SICOGA ist interessant, spannend und bereichernd, doch auch unglaublich anstrengend. Denn es galt auch einige kulturelle Herausforderungen bei der notwendigen engen Zusammenarbeit für eine internationalen Konferenz zu meistern.

Dagmar